Das Haus «Marktplatz 9» Luger/Steinhauser

Der Dornbirner Marktplatz kann schon auf eine lange bewegte Geschichte zurückblicken.

Um 1530/40 wurden die Verkehrswege in Vorarlberg teils aus militärischen, teils aus wirtschaftlichen Gründen wesentlich verbessert. In diese Zeit müssen wir auch ein Abrücken des Verkehrsflusses von der Berglehne über die einzige Achbrücke an der Sägen ansetzen. Zwei neue Straßenzüge, der „Heerweg“ (Marktstraße) und die Eisengasse führten zur Ausbildung eines Platzes östlich der Pfarrkirche, der bald auch umbaut wurde. Der frühere Siedlungsschwerpunkt lag davor im Bereich Schulgasse, von wo aus die frühere Pfarrkirche betreten wurde.

Das Haus Marktplatz 9 hängt unweigerlich mit dem daran gebauten Haus Marktplatz 8 zusammen, dem früheren Gasthaus „Adler“. Dieses läßt sich besitzgeschichtlich bis auf den Ammann Zacharias Wehinger (geb. 1654) zurückverfolgen. An diesem Haus wurde sogar die Jahreszahl 1611 festgestellt, es wird überhaupt als Stammhaus der Familie Wehinger angesehen. Das angebaute Haus Marktplatz 9 wurde im 18. Jahrhundert von der gleichen Verwandtschaft als Gasthaus „Sonne“ betrieben. Unter der Berücksichtung hauskundlicher Erfahrungen darf angenommen werden, daß es sich ursprünglich um den Stadel des „Adlers“ handelte, der für einen der zahlreichen Nachkommen zu einem Wohnhaus umgebaut wurde.

Der Marktplatz war bereits im 17. und 18. Jahrhundert das Gebiet mit der größten Dichte an Gasthäusern in Dornbirn. Neben dem „Adler“ und „Sonne“ steckten der „Engel“ (Marktplatz 13-„Rotes Haus“), der „Hirschen“ (Nr. 12), das „Kreuz“ (Nr. 10) und das „Scharfeck“ (Nr. 6) ihre Wirtsschilder aus. Diese Ballung an Gastlichkeit hängt mit der zentralen Lage neben der Pfarrkirche sowie mit den mehrmals im Jahr stattfindenden Märkten zusammen.

Seit ca. der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Haus Marktplatz 9 nicht mehr als Gasthaus betrieben. Unter dem Besitzer Handelsmann Johann Luger fand 1901 ein Umbau statt, auf den im Wesentlichen das heute noch vorhandene Erscheinungsbild zurückgeht. Der Planer dieses Umbaues war der damals in Dornbirn wohnhaft gewesene Architekt Hans Kornberger. Der betont romantische, späthistorische Bau zeigt besonders im Putzdekor Anklänge an den Jugendstil. Das Haus bestimmt durch seinen geschwungenen Knickgiebel an der Südseite und durch den Turm mit dem schlanken, geschweiften Helm an der Südostecke wesentlich das Bild des Marktplatzes.

Nach einem neuerlichen Umbau des Hauses, verursacht durch einen Großbrand 1987, dient das Haus heute als Bürohaus sowie als Gastlokal.


Text: Harald Rhomberg

Bildnachweis:
Marktplatz 8+9-GhAdler ...: ca. um 1880, Orig. Stadtarchiv Dornbirn / H. Schurig;
Marktplatz1913...: Pfarrkirche St. Martin und Marktplatz 8/9, 1913, Verlag Stengel & Co, Orig. Stadtarchiv Dornbirn;
Eiseng-Foto...: Blick auf die Häuser Marktplatz 8/9 und in die Eisengasse, um 1890, Fotograf M. Rützler, Orig. Stadtarchiv Dornbirn;